Corona hinter der schön bemalten Mauer

Corona hinter der schön bemalten Mauer

Über Nacht ereilte uns, die stationäre Jugendhilfe, die Coronapandemie. Aber wie sieht denn der Alltag für Erzieher*innen, in einem der 37.000 Kinderheime in Deutschland aus?

In unseren Gruppen leben aktuell 18 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis achtzehn Jahren. Es arbeiten je Gruppe fünf Erzieher*innen/ Sozialpädagogen*innen , diese arbeiten im Wechselschichtdienst an 24 Stunden und 365 Tagen im Jahr. Durch Corona ist ein vielfacher Betreuungsaufwand für die Mitarbeiter/innen entstanden . Die Schulen, die Sportvereine und andere Hilfeanbieter schlossen plötzlich ihre Türen. Dies hieß für die Mitarbeiter*innen längere Dienste, Verzicht auf Urlaub und auch mit der erhöhten Angst vor Ansteckung zu arbeiten. Durch Homeschooling in Kleingruppen, verschiedene Essenszeiten und Freizeitangeboten im Nachmittagsbereich wurde ein ganz neuer interner Alltag geschaffen. Dieser gibt den Kindern und Jugendlichen einen möglichst strukturierten Tagesablauf mit sinnvollen Beschäftigungen vor. Der „normale“ Alltag in der stationären Jugendhilfe ist schon herausfordernd, physisch und psychisch belastend und personell meist knapp besetzt. Während Corona wird jeder/m Mitarbeiter*in jedoch wirklich alles abverlangt und die Belastung ist extrem hoch. Der Personalschlüssel geht davon aus, dass die Kinder vormittags in die Schule gehen und in ihrer Freizeit extern Hobbys ausüben können. Dies ist seit nun mehr als acht Monaten so nicht mehr möglich. Die Kinder müssen betreut werden und können aus verschiedenen Gründen nicht bei ihren Familien leben. Was für eine Mammutaufgabe!

Ich danke allen Kollegen*innen für den guten Zusammenhalt, für jede Aufmunterung, für kleine Aufmerksamkeiten, Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse, Verzicht auf Urlaub, für Überstunden und vor allem für ihr Durchhaltevermögen im Alltag! Dass ihr eure Gesundheit hinten anstellt und für die uns anvertrauten Kinder immer da seid, mögen andere als Selbstverständlichkeit ansehen. Wir sehen das anders!

Danke auch an unsere fleißigen Reinigungskräfte sowie unsere Köchin, welche uns mit abwechslungsreichem Essen bei Laune hält 🙂 und unseren Hausmeister, der mit zum guten Gelingen beiträgt.

Denn WIR können einfach nicht zuhause bleiben und den PC hoch fahren.

Oliver Köchers